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Ein Bericht im Teckbote vom 06.10.2026 von Rainer Kellmayer | Foto: Rainer Kellmayer

Musik bringt Erinnerungen zum Klingen

Menschen mit und ohne Demenz erlebten bei „Windmelodien – Musik für das Seelenglück“ vertraute Lieder. Eingeladen hatten der Verein „Gemeinsam statt einsam“ und die Stadtkapelle Kirchheim.

Musik für das Seelenglück 2026Große Besetzung: Das Holzbläserensemble der Stadtkapelle musizierte unter der Leitung von Harry D. Bath

Es gibt Melodien, bei denen man sofort lächeln muss. Ein paar Takte genügen, und plötzlich ist eine längst vergangene Situation wieder ganz nah. Diese besondere Wirkung der Musik stand beim Konzert „Windmelodien – Musik für das Seelenglück“ im Mittelpunkt.

„Gehen Sie aus sich heraus, zeigen Sie Ihre Freude“, begrüßte Stephani Maser vom Verein „Gemeinsam statt einsam“ im Versammlungsraum der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde Kirchheim im Steingau-Zentrum die zahlreichen Besucherinnen und Besucher. Bereits zum zweiten Mal hatte der Verein in Kooperation mit der Stadtkapelle Kirchheim zu einem besonderen Konzertnachmittag eingeladen. Bürgermeisterin Christine Kullen, die Schirmherrin der Veranstaltung, war von der herzlichen Atmosphäre begeistert: „Es ist toll, wie sich Menschen mit und ohne Demenz gemeinsam an der Musik erfreuen können.

Von Klassik bis Schlager

Das musikalische Angebot war breit gefächert: Verschiedene Ensembles der Stadtkapelle boten einen bunten Strauß an Tönen – von klassischen Meisterwerken über Ohrwürmer der Unterhaltungsmusik bis hin zu bekannten Volksliedern. „Unsere Musikerinnen und Musiker haben das gemeinsame Konzert vor zwei Jahren besonders genossen. Deshalb haben wir sofort zugesagt, als uns die Anfrage nach einer Neuauflage erreichte“, sagte Christoph Neumann, der frühere Vorsitzende der Stadtkapelle Kirchheim.

Gerade vertraute Lieder können Erinnerungen an frühere Zeiten, Menschen und Erlebnisse wachrufen. Dies wurde erlebbar, als das Holzbläserensemble die Stücke „Horch, was kommt von draußen rein“ und „Muss i denn zum Städtele hinaus“ anstimmte. Geleitet wurde das Ensemble von Harry D. Bath, dem ehemaligen Dirigenten der Stadtkapelle. Begeistert sangen die Zuhörerinnen und Zuhörer mit – und auch mitgeklatscht und getanzt wurde, etwa als der bekannte „Alexander’s Ragtime“ die Leute von den Sitzen holte oder das Blechbläserensemble Neil Diamonds „Sweet Caroline“ anstimmte. Eingangs hatte das Saxofonensemble den Bogen von „Ungarischen Tänzen“ von Ferenc Farkas über rumänische Volkstänze bis hin zum Udo Jürgens-Hit „Vielen Dank für die Blumen“ gespannt. Das hervorragend besetzte Ensemble überzeugte durch klangschönes Musizieren, lebendige Wiedergaben und einen homogenen Ensembleklang.

Holzbläser zeigen Vielfalt

Auf ähnlich hohem Niveau agierte das groß besetzte Holzbläserensemble. Mit einem Satz aus Johann Sebastian Bachs dritter Orchestersuite, „Walzer und Ragtime“ von Mark Goddard und einem Abstecher in die Welt der Oper mit Melodiefragmenten aus Georges Bizets „Carmen“ zeigten die Instrumentalisten ihre breite stilistische Skala und klangliche Wandelbarkeit.

Herrlich melodiös, delikat in der Artikulation und mit lockerer Präsentation startete das Blechbläserensemble in Jim Parkers „Soldier, Soldier“. Und nach dem bekannten Bach Choral „Jesus bleibet meine Freude“ nahm das Ensemble mit Schwung die Kurve zum beschwingten Finale.

„Hello Dolly“, der „Basin Street Blues“ und insbesondere der fetzige „Tiger Rag“ wurden vom Publikum mit viel Beifall aufgenommen. Und natürlich gab es noch eine Zugabe der famos aufspielenden Blechbläser. „Windmelodien“ zeigte sehr anschaulich, dass Musik keine komplizierten Erklärungen braucht und keine Barrieren zwischen Generationen und Lebensgeschichten kennt. Jeder konnte auf seine eigene Weise dabei sein – aufmerksam zuhörend, mitsummend, sich erinnernd oder einfach die Musik genießend.

Geselliger Ausklang

In gemütlicher Runde klang der Konzertnachmittag aus. Nach dem musikalischen Programm bot ein Umtrunk mit Häppchen und Gesprächen Gelegenheit, das Erlebte gemeinsam ausklingen zu lassen. So blieb auch nach dem letzten Ton Zeit für Begegnungen und Austausch.