Sinfonischer Glanz im Schlosshof
Jugend- und Stadtkapelle Kirchheim begeistern mit Präzision, starken Solisten und einem
imposanten Finale.
Mit Energie und Leidenschaft überzeugte die Stadtkapelle Kirchheim unter Stadtmusikdirektor Marc Lange
Mit ihrer traditionellen Schlosshofserenade zeigte die Stadtkapelle Kirchheim erneut das hohe künstlerische Niveau von Stammorchester und Nachwuchs. Um dem Publikumsandrang gerecht zu werden, wurde die Serenade zweimal aufgeführt – als Matinee und als Abendkonzert. Beide Vorstellungen waren bis auf den letzten Platz besetzt.
Den Auftakt bildete Shin’ya Takahashis „Gold Rush!“, ein energiegeladenes Stück über den kalifornischen Goldrausch. Mit präziser Rhythmik und dynamischen Kontrasten machte die Jugendkapelle den rastlosen Puls dieser Epoche hörbar. Thomas Doss’ „Of Castles and Legends“ entfaltete eine mittelalterliche Gruselgeschichte in szenischen Klangbildern. Mit wuchtigen Schlagwerkpassagen und fein ausgehörten Klangflächen verliehen die jungen Künstler dem Werk Atmosphäre. Knisterndes Papier schuf eine gespenstische, beinahe filmische Atmosphäre.
Ein solistisches Glanzlicht setzte der junge Saxofonist Alessio Orlando. Der mehrfach ausgezeichnete Nachwuchsmusiker stammt aus den Reihen der Jugendkapelle und schloss jüngst die Ausbildung zum Musikmentor ab. Klangschön brillierte Orlando in Arno Hermanns „Big Horn Blues“ am Baritonsaxofon mit Virtuosität und Leichtigkeit.
Mit „ABBA on Broadway“ verabschiedete sich die Jugendkapelle schwungvoll in die Pause. Kunstvoll verwobene Bläsersätze und farbenreiche Instrumentation machten bekannte ABBA Melodien zu einem unterhaltsamen Finale.
Nicht minder eindrucksvoll präsentierte sich die Stadtkapelle. Bereits Oscar Navarros „Downey Overture“ zeigte, weshalb sich die Stadtkapelle Kirchheim bei nationalen und internationalen Wettbewerben einen hervorragenden Ruf erarbeitet hat. Unter der Leitung von Marc Lange überzeugte das Ensemble mit transparenter Klangkultur und großer dynamischer Spannweite.
Auch Victoriano Valencia Rincóns „Suite Nr. 2“, eine Reise durch die musikalische Folklore Kolumbiens, bot dem Orchester Gelegenheit, seine stilistische Vielseitigkeit auszuspielen. Eindrucksvoll arbeitete die Schlagwerkgruppe die südamerikanischen Rhythmen heraus. Mal explosiv, mal mit fein dosiertem Händeklatschen verlieh sie der Suite Vitalität.
Mit Bill Whelans „The Seville Suite“ erklang das wohl epischste Werk des Programms. Whelan skizziert darin die Flucht des irischen Feldherrn Red Hugh O‘Donnell nach Spanien. Zahlreiche Solostimmen überzeugten mit klanglicher Schönheit und technischer Souveränität. Das Ensemble spannte weite dramaturgische Bögen und erinnerte im tänzerischen Schlussteil an Whelans späteren Welterfolg „Riverdance“.
Abschluss und Höhepunkt bildete „Excalibur“ von José Alberto Pina. Rund 130 Musiker von Jugendkapelle und Stadtkapelle vereinigten sich dafür zu einem imposanten Klangkörper. Das anspruchsvolle Werk erzählt die Legende von König Arthur und seinem Schwert Excalibur.Mächtige Tuttiklänge wechselten mit lyrischen Passagen und fanfarenartigen Motiven. Trotz der opulenten Besetzung blieb der Klang transparent und ausgewogen; Jugend- und Stadtkapelle musizierten auf Augenhöhe.
Mit Thomas Doss’ augenzwinkerndem „Troll Dance“ krönten die Musiker den Abend mit einem humorvollen Ausklang. Synkopische Rhythmen und tänzerischer Schwung sorgten für ein Finale, das mit stehenden Ovationen gefeiert wurde.