Konzert "Süd trifft Nord" lässt Blasorchester glänzen
Orchester aus Kirchheim und Wehdel präsentieren im Stadttheater Bremerhaven ein Gemeinschaftsprogramm
Das sinfonische Blasorchester Wehdel setzt auf neuere Kompositionen und hohe Dynamik
Nichts mit Tschingdarassabumm: Hochklassige sinfonische Blasmusik unter dem Motto "Süd trifft Nord" stand im Mittelpunkt des Gemeinschaftskonzerts der Stadtkapelle Kirchheim unter Teck und dem sinfonischen Blasorchester Wehdel im Stadttheater Bremerhaven.
Die Gäste aus Kirchheim im Schwabenland begannen furios mit der "Downey Overture" von Oscar Navarro, der als Filmkomponist lange Zeit in Kalifornien lebte. In dem Stück verarbeitet der gebürtige Spanier seine Erfahrungen mit der Hollywoodkultur. Die Komposition ist von starken Temperamentsausbrüchen und hoher Dynamik gekennzeichnet. bis hin zum Füßestampfen der Orchestermitglieder. "Das war ein Knaller, so muss ein Konzert beginnen", befand Moderator Henrik Oerding.
Das Konzertmotto "Süd trifft Nord" bezog sich dabei nicht nur auf die Herkunftsorte der Orchester, sondern war gleichzeitig musiklisches Thema, denn überwiegend erklangen Kompositionen aus südlichen Regionen. Wie das Stück "Images" von José Suner Oriola, das musikalisch einen Spaziergang durch die Stadt Illescas beschreibt. Hierbei konnte sich auch die hevorragende Perkussionsabteilung der Kirchheimer mit den unterschiedlichen Schlagwerker profilieren. Im Bassbereich ist das Kirchheimer Orchester nicht nur mit den üblichen Tuben besetzt, sondern auch ein Kontrabass sorgt zusätzlich für die tiefen Töne. Und sogar singen können die Orchestermitglieder, deren Vielseitigkeit bei der "Suite No. 5" von Victoriano Valencia Rincón erneut zum Tragen kam. Klagende Posaunen, trillierende Klarinetten, schmetternde Trompeten und temperamentvolle Kastagnetten nahmen das Publikum mit auf eine Reise durch Kolumbien, das von vielfältigen musikalischen Traditionen geprägt ist.
Haben die Gäste aus Kirchheim die musikalische Latte schon relativ hochgelegt, waren nach der Pause die Wehdeler gefordert, mitzuhalten. "Sailing with whales" von Rossanto Galanto war ein fulminanter Auftakt, der mit Fanfaren und karibischen Klängen beim Publikum für Beifall sorgte. Vier bulgarische Tänze von Franco Cesarini boten folkloristische Dynamik, "Danzón No. 2" von Arturo Márques begann mit einem Zwiegespräch von Klarinette und Oboe und endete mit einem opulenten Klang voller Kraft. "The Sevilla Suite" des irischen Komponisten Bill Whelan beendete das Konzert und verarbeitete Elemente des Irish Folk und stellte die Vielseitigkeit des Whedeler Blasorchesters unter Beweis.
"Wir planen demnächst einen Gegenbesuch in Kirchheim", erklärte ein sichtlich bewegter Dirigent Thomas Ratzek am Ende des Konzertabends. Die Karriere des gebürtigen Schwabens begann im Landesblasorchester Baden-Württemberg.