Ein Hörerlebnis der Extraklasse
Die Ensembles der Kirchheimer Stadtkapelle sorgten bei zwei ausverkauften Weihnachtskonzerten in der Martinskirche mit einem anspruchsvollen Programm für Begeisterung.
Die Stadtkapelle Kirchheim stimmte unter der Leitung von Stadtmusikdirektor Marc Lange auf die Feiertage ein.
Dass die Stadtkapelle Kirchheim zu den besten Amateur-Blasorchestern Deutschlands zählt, kommt nicht von ungefähr. Mit einer vereinseigenen Bläserschule und Nachwuchsorchestern verschiedener Schwierigkeitsstufen betreibt man seit Jahrzehnten eine hervorragende Jugendausbildung, die die außergewöhnliche Qualität der Stadtkapelle langfristig sichert. Musikalischer Motor des Ganzen ist Stadtmusikdirektor Marc Lange, der von einer rührigen Vorstandschaft tatkräftig unterstützt wird.
Welch herausragende Qualität die verschiedenen Ensembles der Stadtkapelle inzwischen erreicht haben, zeigten am Wochenende eindrucksvoll die beiden ausverkauften Weihnachtskonzerte, die erstmals in der Kirchheimer Martinskirche stattfanden. Der Auftritt der sinfonisch besetzten Stadtkapelle mit ihren mehr als 80 Musikerinnen und Musikern wurde zum fulminanten Hörerlebnis. Dazu trug insbesondere Marc Langes geglückte, an den Kirchenraum angepasste Programmauswahl bei, die auch die Kirchenorgel mit einbezog.
Energiegeladenes Orchesterspiel
Bereits zu Beginn ließ das festliche „Alleluia! Laudamus Te“ von Alfred Reed, dem Nestor der Blasmusikkomponisten, aufhorchen. Da wurden nicht nur Noten gespielt, sondern im besten Sinne musiziert und gestaltet: Der Gehalt der Partitur war bis in die Tiefe hinein ausgelotet. Das besondere Markenzeichen des energiegeladenen Orchesterspiels war die Durchdringung der musikalischen Strukturen und eine von Marc Lange bis ins Detail hinein ausgearbeitete, spannungsvolle Phrasierung.
Ähnlich plastisch erklang die „Hymn for World Peace“ von David Maslanka. Neben brillanten Tuttistellen blitzten in den leiseren Passagen immer wieder solistische Glanzlichter auf: Ein Zeichen, welch hervorragende Musikerinnen und Musiker in den Reihen der Stadtkapelle sitzen.
Von Stefanie Rauschnabel, die charmant durchs Programm führte, erfuhr man, dass John Rutter durch den Fall der Berliner Mauer zu seiner 1990 entstandenen Komposition „Distant Land“ angeregt wurde. Präzise im Schlag und mit motivierender Körpersprache animierte Marc Lange sein Orchester zu glutvollem Spiel: Die eingängigen Melodiesequenzen wurden elegant und mit Delikatesse umgesetzt - tonschön geblasen und sich auf der Idealspur der Intonation bewegend. Auf gleich hohem Level erklang „A Christmas Overture“ von Nigel Hess, die bekannte Weihnachtsmelodien in einem kunstvollen Arrangement verwob. Für die famose Leistung der Stadtkapelle gab es danach begeisterten Schlussapplaus und natürlich eine Zugabe.
Starker Nachwuchs überzeugt
Im ersten Konzertteil hatte der musikalische Nachwuchs seinen großen Auftritt. Geleitet von Andrea Speiser und Marc Lange zeigten sich die Bläserklassen 4 der Teck- und Freihof-Grundschule und das Vorstufenorchester bei „Infinity“ von James Curnow und den folkloristisch angehauchten Melodien in William Veans „The Irish Dancemaster“ gut vorbereitet.
Nachdem das Vorstufenorchester und die Jugendkapelle in großer Besetzung einen Ausschnitt aus Alan Silvestris Filmmusik zu „The Polar Express“ präsentiert hatten, demonstrierten die bestens ausgebildeten Musikerinnen und Musiker der Jugendkapelle eindrucksvoll, welch hohes Niveau dieses Orchester inzwischen erreicht hat.
Ob bei Carl Wittrocks „Lord Tullamore“, den zwischen pompösen Klangausbrüchen und emotionaler Melodik changierenden Sequenzen aus Hans Zimmers Filmmusik zu „Gladiator“ oder den betörenden Klangfarbenspielen in Rossano Galantes “Aurora Borealis“: In puncto Technik, Homogenität des Zusammenspiels und Ausdrucksstärke wartete die Jugendkapelle mit Interpretationen auf, die manchem Erwachsenenorchester zur Ehre gereichen würden.
Der mitreißende Konzertabend, bei dem die Akteure vom begeisterten Publikum immer wieder mit stürmischem Applaus bedacht wurden, klang besinnlich aus: Stadtkapelle und Zuhörer stimmten mit dem gemeinsamen Lied „O du fröhliche“ auf die bevorstehenden weihnachtlichen Feiertage ein.