ein interview in "Blasmusik - dezember 2019" mit der redakteurin Martina Faller

3 Fragen an... Marc Lange

In der BDB-Musikakademie leitet Marc Lange den C3-Dirigentenlehrgang, in Kirchheim unter Teck als Stadtmusikdirektor nicht nur die Stadtkapelle, sondern auch die Jugendkapelle. Mit ihr erspielte er sich bei der Mid Europe in Schladming einen großartigen Erfolg. Im CISM-Wettbewerb erreichte die Jugendkapelle mit 92,9 Punkten einen ersten Preis. Über die besonderen Herausforderungen in der Arbeit mit Jugendorchestern sprach Marc Lange im Interview mit unserer Redakteurin Martina Faller.

blasmusik: Lieber Marc, herzlichen Glückwunsch zum großartigen Abschneiden deiner Jugendkapelle beim CISM-Wettbewerb der Mid Europe in Schladming. Wie hast du dein Jugendorchester auf den Wettbewerb und auf die herausfordernde Literatur vorbereitet?

Lange: Das Ergebnis beim CISM-Wettbewerb in Schladming war für uns alle ein großartiger Erfolg, vor allem für die Kids ein einmaliges Erlebnis und Bestätigung für die intensive Vorbereitung und das Geleistete. Hier sind wir schon beim wesentlichen Teil der Antwort: Ein Wettbewerb, dazu noch im Ausland, ist für jedes Orchester etwas Besonderes und trägt in sich schon ein hohes Motivationslevel. Selbstverständlich sind Probenwochenenden, Sonderproben, Registerproben, eine zielgerichtete Programmplanung inklusive Pflicht- und Selbstwahlstück, die sich über einen größeren Zeitraum erstrecken, mit Konzerten als Zwischenschritten und dem letztendlichen Höhepunkt, dem Wettbewerb an sich, wichtige Komponenten auf dem Weg zu einem erfolgreichen Abschneiden. Diese weit im Voraus geplante, wohl dosierte und gleichzeitig fokussierte (hier kein Widerspruch!) Vorbereitung gibt uns Recht, die knapp 93 Punkte sind für eine Jugendkapelle der Mittel-/ Oberstufe bei einem internationalen Wettbewerb ein bemerkenswertes Ergebnis. Dabei ging die Freude an den Kompositionen und an der Musik nie verloren – im Gegenteil.

marc

blasmusik: In Kirchheim leitest du sowohl die Stadtkapelle als auch die Jugendorchester. Was unterscheidet die Arbeit mit reinen Jugendorchestern von der mit Erwachsenenorchestern? Wo liegen bei Jugendorchestern die besonderen Herausforderungen?

Lange: Ich leite in Kirchheim nicht nur die Jugend- und Stadtkapelle, sondern auch das Anfänger- und das Vorstufenorchester. Mit einem Unterbau von drei Orchesterstufen im Jugendbereich hat die Stadtkapelle Kirchheim eine einzigartige Struktur, alles in einer Hand, gemeinsames Orchesterspiel ab dem ersten Unterrichtstag. Das ermöglicht eine konsequente und stringente Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Das gemeinsame Musizieren und die Bedeutung der Gemeinschaft ist von Anfang an Bestandteil der instrumentalen Ausbildung. Den Unterschied zwischen Juka und Staka empfinde ich selbst gar nicht so wesentlich, abgesehen vom Niveau der Literatur. Es geht letztendlich in allen Orchestern um Musik und ums Heranführen an die selbige, sicherlich auf den unterschiedlichen Niveaustufen. Und selbstverständlich bedarf es in den Jugendorchestern eines anderen (pädagogischen) Umgangs, eine etwas andere Vorbereitung und Form der Motivation und natürlich der musikalischen, vor allem instrumentalspezifischen Anleitung.

blasmusik: Bei Jugendkapellen wird mitunter keinen großen Wert auf die Qualifikation der Dirigenten gelegt. Ältere Schüler übernehmen oftmals diese Position. Sind aber nicht gerade im Jugendbereich qualifizierte Dirigenten von entscheidender Bedeutung für die Motivation und Entwicklung der jungen Musiker?

Lange: Das ist korrekt, leider. Die Vereine sollten hier mehr Verantwortung zeigen, in gute Ausbilder und Dirigenten zu investieren. Vielerorts hat sich hier bereits etwas getan. Das ist eine positive Entwicklung, es sollten deutlich mehr Vereine mitziehen. Als Lehrgangsleiter des C3-Kurses und Dozent im Fach Dirigieren an der Akademie in Staufen sehe ich jedes Jahr viele angehende Dirigenten, die sich dieser großen Aufgabe mit den hohen und vielschichtigen Anforderungen stellen. Vor Kurzem konnten wir erst wieder sehr gute, teilweise außerordentliche Leistungen in den C3-Prüfungen attestieren. Dirigenten aller Altersschichten, die sich dirigiertechnisch mit all den erforderlichen Kompetenzen und musiktheoretisch auf einem bereits hohen Niveau bewegen. Gerade die jüngere Generation macht hier Freude. Man sollte diesen allen die Chance und Möglichkeit geben, ihr Gelerntes und ihre kreativen Ideen in die Vereine und Jugendorchester hineinzutragen. Dass der BDB hierfür mit der C3-Ausbildung ein kompetentes Fundament schafft, ist wichtiger denn je. (Noch) mehr Mut und Offenheit in den Vereinen für Neues ist immer mehr gefragt. Das wünsche ich den Verantwortlichen und uns allen.

Zurück

Bevorstehende Veranstaltungen

23.07.2020 17:30 - 19:00

26.07.2020 17:00 - 20:00

15.11.2020 11:00 - 12:00

19.12.2020 19:30 - 22:00