Ein Bericht im Teckbote am 30.07.09 von ERNST KEMMNERPDF-Version
Musikalische Reise durch die Galaxis
Stadtkapelle und Chöre des Ludwig-Uhland-Gymnasiums und der Musikschule im Marstallgarten
Im sommerlich heiteren Ambiente des Marstallgartens vor historischem Gemäuer und einem gespannten Publikum konzertierten in einem Gemeinschaftsprojekt der Reihe "Kunst & Kultur am Schloss" die Chöre des Ludwig-Uhland-Gymnasiums und der Musikschule im Verbund mit der Stadtkapelle unter der inspirierten Stabführung von Harry D. Bath. Dabei boten über hundert Choristen und rund siebzig Instrumentalisten ein vielseitig facettiertes Programm.
Am Konzertbeginn standen mit der Filmmusik zu "The Cowboys" des amerikanischen Komponisten John Williams und der Trickfilmmusik "Cartoon" von Paul Hart zwei reine Instrumentalkompositionen. Im ersten Werk ertönte vom ersten Akkord an üppiger Bigband-Sound mit knackig schmetterndem Blech und punktgenauen Einsätzen aller Instrumentengruppen. Rhythmisch sauber justierte Synkopen, exakt nachschlagende Rhythmen im tiefen Blech, präzise gesetzte Einwürfe der zahlreich geforderten Perkussionisten, schöne Melodieentfaltung der hohen Blech- und Holzbläser, ein anrührend musizierter, sanft schwebender Mittelteil mit bezauberndem Flötenton, polyphone Klangwucht des Finalteils in rhythmisch ausgefallener Ausprägung – all diese Komponenten konnten den Hörer erfreuen.
In Harts "Cartoon", einem der brillantesten Originalwerke für Blasorchester der letzten Jahre mit dem Anspruch auf perfekte musikalische Unterhaltung und der Erhebung des Effekts zum Selbstzweck, wird den Musikern alles abverlangt. So kommen im Schlagwerk neben den Pauken vierundzwanzig verschiedene Instrumente zum Einsatz. Daneben enthält die Komposition ein gerüttelt Maß an schelmisch augenzwinkerndem Humor, der sich in überraschenden akustischen Effekten und lustigen Einlagen äußert, die das Katz-und-Maus-Spiel von Tom und Jerry geradezu "ohrenfällig" machen. Zum Beispiel in einem Trillertremolo auf der gestopften Posaune, in fiepende Flöten, keckernden Klarinetten, in einem Trillerpfeifeneinsatz und sogar im Pfeifen durch die Zähne. Genügend Anlass zum Schmunzeln also für das begeisterte Publikum, aber auch Respekt für die souveräne Art und Weise, in der das Orchester die rhythmisch-klangliche Herausforderung meisterte. Ganz und gar beachtlich das schmachtende Trompetensolo, die gezogenen Posauneneinwürfe mit Flötenreplik, das furiose Finale, unterbrochen durch wehmütige Oboenklänge vor grandioser Schlusssteigerung. Tosender Beifall!
Dann formierte sich unter der Ägide von Walter Pech der bunt gewandete und vielköpfige Chor der jungen Sängerinnen und Sänger zu einem mehrteiligen, vom Blasorchester begleiteten Medley auf der Bühne. Dessen musikalisches Leitmotiv war das immer wiederkehrende "Music and joy shall live, never to die", unterbrochen vom mit rhythmischem Klatschen und Fingerschnippen unterlegten "Wade in the Water", vom beseelt vorgetragenen "Nobody knows the trouble I've seen, nobody knows my sorrow" mit achtköpfiger Sologruppe und vom abschließenden "Glory, glory, Hallelujah", das eindrucksvoll und mit stampfend betontem Marschrhythmus zur Freude der Zuhörerschaft abgeliefert wurde.
Das Konzert fand seine Fortsetzung mit "Celtic Child", einem von der irisch-schottischen Volksmusik geprägten wirbelnden Reigen von Rhythmen und Melodien. Nach der mit großem Drive vorgetragenen rein instrumentalen Einleitung bezauberten vor allem ein beeindruckend vorgetragenes Gesangssolo und der abschließende, stark rhythmisierte keltische Stampftanz.
Der unbestrittene Höhepunkt kam aber mit dem abschließenden Stück "To the Stars", in dem Chöre und Orchester zu Höchstform aufliefen. In einem choreografisch gefälligen Arrangement mit guter Bühnenaufteilung und geschickt platzierten, szenischen Musical-Effekten wird ein Raketenstart mit den Choristen als staunende Irdische suggeriert, die dann auf einer intergalaktischen Erlebnisreise auf extraterrestrische, in grüne Perücken gewandete "Aliens" treffen. Erstaunlich dabei, in welch guter Abstimmung Chor und Orchester agierten und eine unglaublich eindrucksvolle Schlussklimax mit dem finalen Aufschrei "To the Stars!" zauberten. Rauschender Schlussapplaus für die Väter des Erfolgs, Walter Pech und Harry D. Bath, und für alle glänzend disponierten Akteure beendete ein erlebnisreiches Konzert, das auch ein Programmheft oder eine Moderation verdient gehabt hätte.
