Ein Bericht im Teckbote am 23.07.08 von NICOLE MOHNPDF-Version

Musikalischer Abschied vom Sommer
Serenadenkonzert der Kirchheimer Stadtkapelle unter der Leitung von Harry D. Bath im Schlosshof

Auftritt der Jugendkapelle beim  Serenadenkonzert

Der liebe Gott muss ein Musiker sein. Zumindest aber ein Liebhaber guter Blasmusik, denn pünktlich zur Sommerserenade der Kirchheimer Stadtkapelle blitzte es am sonntäglichen Abendhimmel blau.

Zum letzten Mal erlebte das Publikum im trotz recht frischen Windes gut besetzten Schlosshof die Jugendkapelle in dieser Besetzung: 15 der jungen Musiker werden nach der Sommerpause in die Stadtkapelle übernommen.

Frisch und mit großer Spielfreude eröffnete die Jugendkapelle unter Leitung des städtischen Musikdirektors Harry D. Bath den sommerlichen Konzertabend. Kein Wunder: Bei ei­nem Wertungsspiel am Morgen hatten die Nachwuchskräfte der Stadtkapelle sehr gut abgeschnitten. Ihre Klasse bewies die Musikerjugend vor allem bei den beiden Eröffnungsstücken, die auch zum Pflichtprogramm des Wettbewerbs gehörten. Knatternde Segel, geschäftiges Treiben im Hafen – die „Seagate Ouvertüre“ von James Swearingen mit den maritimen Themen setzte die Jugendkapelle mit viel Dynamik um.

Hohe Ansprüche an die jungen Musiker stellte die Komposition „Cobra“ von Jan Bosveld. Vier Gemälde der gleichnamigen Malergruppe beschreibt der Komponist in seinem Werk. Fließende Melodien, eingängige Themen sucht man hier vergebens. „Massenkarambolage“ heißt der erste Satz – und wie auf dem Bild, das zur Verdeutlichung der Darbietung durch die Reihen gegeben wurde, prallen auch in der Komposition die verschiedenen Stimmen aufeinander, kollidieren, schrillen.

Düster und mystisch wird es im zweiten Satz: „Der Tod und das Mädchen“ heißt das düstere Bild. Ein durchgehender Rhythmus stellt sich hier gegen das tiefe Blech. Fast unbeschwert hingegen der dritte Satz mit dem Titel „Der Drehorgelspieler“. Gut transportierte das Jugendorchester hier die jahrmarkttypische Atmosphäre und Unbeschwertheit. Triller und treibender Rhythmus – so klingt bei Bosveld der „Rhythmus der Großstadt“, mit dem der Zyklus „Cobra“ abschließt.

Eher leicht verdaulich hingegen die Hommage an Count Basie. Homogen im Klang zeigte der Nachwuchs echte Bigband-Qualitäten mit Brass und Swing. Nach solch einer formidablen Leistung ließ das begeisterte Publikum die Jugendkapelle nicht ohne Zugabe gehen. „Hot Latin“ kündigte Dirigent Bath dazu an – doch die jungen Musiker machten ihrem Chef einen Strich durch die Rechnung und legten stattdessen ein Medley der Beachboys auf. Der Musikdirektor nahm’s gelassen – und die Zuhörer kamen so in den Genuss einer zweiten Zugabe, denn die versprochenen Latino-Sounds lieferte die Jugendkapelle dann noch nach.

Mit sinfonischer Blasmusik auf höchstem Niveau ging es nach der Pause weiter. Ein sinfonisches Highlight war schon das Entree: „Prozession der Ritter“ aus Rimski-Korsakows Oper „Cortege from Mlada“. Das Werk aus der Spätromantik gilt unter Experten nicht umsonst als anspruchsvoll. Strahlende Fanfaren und festliche Klarinetten setzten dabei Glanzpunkt.

„Mein Hut, der hat drei Ecken“ ist ein echter Klassiker, der nachweislich schon im 19. Jahrhundert gesungen wurde. Die Melodie spielt im „Karneval von Venedig“ eine zentrale Rolle. Vielfältig variierend und changierend ist das Stück in der Bearbeitung von Jean-Baptist Arban eine echte Heraus­forderung für Bläser.

Virtuos meisterte Volker Lutz das Solo der schwierigen Sentenz, der nicht nur Fingerfertigkeit, sondern auch verschiedene Zungenstoßtechniken abverlangt. Für die herausragende Leistung erhielt der Trompeter, der seit 2001 bei der Stadtkapelle spielt, verdienten Sonderapplaus.

Schon beim Concerto im Frühjahr hatte die Stadtkapelle mit „Terpsichore“ brilliert. Das nach der Muse des Tanzes benannte Stück von Praetorius in der Bearbeitung von Bob Margolis greift verschiedene Tänze auf, die am französischen Hofe Mode waren. Mal kraftvoll, mal zart und bedächtig, stehen bei dem Werk verschiedene Tempi und Themen im reizvollen Wechsel.

Zum Abschluss verließ die Stadtkapelle mit Dirigent Bath die klassisch-sinfonischen Pfade und sorgte mit einem Potpourri farbenreicher traditionell jiddischer Stücke für gute Stimmung im Schlosshof. Nach solch einem bravourösen Abschluss ließ das Publikum auch das Stammorchester nicht sang- und klanglos in die Sommerpause ziehen: Auch die Stadtkapelle musste nach einem bewegenden und begeisternden Konzert noch einmal nachlegen. Nach rund zwei Stunden feinster Unterhaltung aber hieß es dann endgültig Abschied nehmen von dem musikalischen Sommer, den die beiden Orchester der Stadtkapelle ihren Zuhörern bereitet hatte.