Ein Konzertbericht von TANJA NEUMAIER PDF-Version

Unterhaltsames Jugendkonzert auf hohem Niveau
Am Sonntag dem 15.06.2008 fand das große Jugendkonzert der Stadtkapelle Kirchheim statt.

Jugendkonzert Ötlingen

Eine zahlreiche Publikumsschar fand am Sonntagabend den Weg in die Waldorfschule in Ötlingen. Muttis, Vatis, Omas, Opas, Geschwister und Verwandte aber auch sonstige musikbegeisterte Zuhörer nahmen auf der vollbesetzten Tribüne platz. Der Jugendleiter Michael Stork begrüßte die Gäste zum „Muttertagskonzert“. Na ja, diese Bezeichnung wollte er so natürlich nicht im Raum stehen lassen, denn der Tag ist ja bekanntlich schon lange vorbei, und so klärte er das Publikum über den wegen den Ferien verschobenen Termin auf und wünschte allen eine gute Unterhaltung.

Das Vorstufenorchester eröffnete das Konzert mit dem Shufflin´ Canon von Kees Vlak. Die Übersetzung lieferte der Dirigent Harry D. Bath, der alle Ansagen persönlich übernahm, gleich mit. Shuffling bedeutet schlürfend, was wunderbar umgesetzt wurde. Das nächste Stück wurde erst vor vier bis fünf  Wochen ins Programm aufgenommen. Na und, fragt sich da der ein oder andere, was ist daran schon besonders? „Joyous Spirit“ von Davis Schaffer ist ein sehr schwieriges Stück. Fast jeder zweite Ton hat ein Vorzeichen und auch rhythmisch stellt es große Anforderungen an die jungen „Künstler“. Harry Bath hat dies ganz bewusst erst so kurz vor dem Konzert ausgeteilt, als Test. Denn wer das Stück nach nur fünf Proben beherrscht, der darf nach den Sommerferien in die Jugendkapelle wechseln. Das war eine Herausforderung die sich alle gerne stellten. Doch der Dirigent hatte so seine Bedenken, denn bei der Probe am Donnerstag ging das Lied „nur so einiger maßen“, doch in der Generalprobe kurz vor dem Konzert war es „ganz gut“ und die Zuhörer waren nun gespannt, wie die Musikerinnen und Musiker mit ihrer Nervosität umgehen können. Perfekt, wie sich nach der Aufführung herausgestellte. Auch Harry D. Bath war begeistert und versprach spontan, dass das gesamte Orchester nach den Ferien in die Juka wechseln darf. Die Gesichter der jungen Musikerinnen und Musiker hätten sie mal sehen sollen, alle haben gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd und die stolzen Eltern klatschten begeistert Beifall. „Der Sturm“ von Robert W. Smith ist ein programmatisches Werk, welches ein Bild darstellt. Und tatsächlich schaffte es das Vorstufenorchester eindrucksvoll, nur mit den Instrumenten und den daraus entstehenden Tönen, das Bild und die Gewalt eines Sturms darzustellen. Weiter ging es mit einer bekannten Glenn Miller Melodie, „American Patrol“ und Fans von Manfred Man kamen bei „Do Wah Diddy Diddy“ voll auf ihre Kosten. Mit dem bei allen Generationen von Musikern beliebte Stück, dem „Armed Forces March“ von Michael Sweeney, verabschiedete sich das Orchester bei den Zuhörern.

Nach einer kleinen Umbauphase nahmen die 15 Jungen und Mädchen der Anfängergruppe auf der Bühne platz. Kurze, einstimmige Lieder, wie „Skip to my lou“, „Oh Susanna“, der „Wilhelm Tell Ouvertüre“ von Rossini oder „He ho, spann den Wagen an“ wurden mit viel Einsatz und Begeisterung vorgetragen. Dann wurde das Licht gedämmt und eine spannungsvolle Stimmung machte sich im Saal breit. Es wurde dramatisch, denn nun durfte jeder ganz alleine sein Lieblingslied vorspielen. Jetzt kamen auch die Scherenschnitte, die als Bühnendekoration aufgereiht von der Decke hingen, zum Einsatz. Immer der Scherenschnitt des Musikers der gerade an der Reihe war, wurde mit dem Scheinwerfer angestrahlt. Wenn man bedenkt, dass die Ausbildung am Instrument erst im November begonnen hat, ist es doch recht erstaunlich mit welcher Souveränität die Jungen und Mädchen ihre Stücke vortrugen.
Von Schüchternheit keine Spur, wenn man von den ein oder anderen roten Bäckchen mal absieht. Bravo! Mehrstimmig ging es weiter. Bruder Jakob ist hierfür als Kanon bestens geeignet. Erst ein-, dann zwei- und am Ende sogar dreistimmig erklang das bekannte Stück in der Waldorfschule. Sogar einige Singstimmen aus den Reihen des Publikums waren zaghaft zu hören. Mit „Ode an die Freude“ aus Beethovens 9. Symphonie und einem rockigen Stück als Zugabe, wurden die Zuhörer von der Anfängergruppe in die Pause entlassen.
Zur Stärkung gab es dann Getränke und selbstgebackene Muffins. Mmh, lecker!

Die Jugendkapelle wird auch in diesem Jahr wieder an einem Wertungsspiel teilnehmen. Der Dirigent Harry D. Bath merkte an, dass die Bewertung immer strenger und die Pflichtstücke immer schwerer werden, aber wer in der Oberstufe mithalten will, muss sich diesen Herausforderungen stellen. Großes Glück für die Juka, denn das erste Pflichtstück stand auch im letzten Jahr auf der Liste und ist damit bereits bestens einstudiert. Mit diesem Lied der „Seagate Overture“ von James Swearingen eröffnete die Jugendkapelle den zweiten Konzertteil. Der Komponist ist am Eriesee in Ohio aufgewachsen und beschreibt beeindruckend das Tor zur See. Das zweite Pflichtstück stellt schon eine größere Aufgabe dar. Ein sehr schweres Stück mit ungewohnten Klängen für die Juka. Nach dem 2. Weltkrieg bildete sich eine Malergruppe mit dem Namen „Cobra“, welche sich der modernen Kunst verschrieben hat. Vier dieser Kunstwerke wurden von Jan Bosveld vertont. Auf einer Leinwand neben der Bühne wurden zuerst alle vier Bilder gezeigt und erklärt. Während der Aufführung wurden dann die zum jeweiligen Satz passenden Bilder auf die Wand projiziert zum besseren Verständnis. Der erste Satz beschreibt musikalisch das Bild einer Massenkarambolage. Dass Musik nicht schön sein muss um zu wirken – wie oftmals auch Bilder in der Kunst – zeigt der zweite Satz „Der Tod und das Mädchen“ deutlich. Schräge Töne zu einem schrägen Bild. Das Tiefe Blech stellte mit bedrohlichen Klängen den Tod dar und das hohe Holz, allen voran die Querflöten, klagten und flehten mit schrillen Tönen. Und doch weckte gerade dieser zweite Satz die meisten Gefühle der Zuhörer. Fröhlicher ging es weiter mit „Der Drehorgelspieler“. Schelmisch und mit viel Witz wurde man auf einen bunten und lebhaften Jahrmarkt versetzt. Mit ungestümen Trillern und einem treibendem Takt, der die Hektik und die Betriebsamkeit einer Stadt darstellt, wurde das letzte Bild „Rhythmus der Großstadt“ musikalisch umgesetzt. „Cobra“ ein Stück mit modernen Klängen, aber durchaus hörbar und sehr packend, wurde von der Jugendkapelle grandios vorgetragen. Wir drücken ganz fest die Daumen für das anstehende Wertungsspiel! Immer wieder gibt der Dirigent jungen Musikern mit Soloauftritten die Möglichkeit sich weiter zu qualifizieren. Der Auftritt von Elisabeth Ziegler am Sonntag war einmal wieder der Beweiß, welche Talente die Jugendkapelle hervorbringen kann. Für Elisabeth war es der erste Soloauftritt überhaupt. Sie spielte das „Konzert für Oboe“ von Arcangelo Corelli mit einem wunderbaren sanften Oboeton und meisterte auch die schnellen Passagen ohne Schwierigkeiten. Die Gelegenheit des Jugendkonzertes nahm das folgende Klarinettenquartett war. Für die vier jungen Klarinettistinnen war der Auftritt quasi die Generalprobe für den in dieser Woche stattfindenden Wettbewerb. Mit „Quartett in F“ von Carl Böhm und „Fantasia“ von Paul Harvey zeigten Marisa Scaffidi, Meike Schmid, Meike Kerscher und Julia Wölfle eindrucksvoll wie das Zusammenspiel im Ensemble sein soll. Ein großes Lob an dieser Stelle auch an ihre Lehrerin Andrea Speiser und viel Erfolg beim Wettbewerb.
Nach diesen klassischen Tönen war die Jugendkapelle nochmals an der Reihe. Ohne viele Worte wurde „A Tribute to Elvis“ angestimmt. Wie erwartet nickten die Köpfe der Zuhörer im Takt, es wurde geklatscht und die Füße wippten. Weiter ging es mit „Hot Latin“, bei dem aktuellere Lieder, wie zum Beispiel Lou Begas „Mambo No. 5“, in einem Medley zusammengefasst wurden. Mit Schrecken stellte der Dirigent Harry D. Bath nach diesem letzen Stück fest, dass es schon sehr spät am Abend geworden ist. Viel Zeit hatte man sich gelassen, was dem begeisterten Publikum aber völlig egal war. Mit viel Applaus forderten sie noch eine Zugabe von der Juka, die gerne gewährt wurde. Mit den swingenden Klängen von „A Tribute to Count Basie“ ging ein wirklich gelungener Konzertabend zu Ende.

Alle Kinder und Jugendlichen die nun auf den „Geschmack“ des Musizierens gekommen sind, sollten sich den 15. Oktober rot in ihren Kalender eintragen. An diesem Tag findet wieder eine Jugendwerbung der Stadtkapelle in der Feuerwache statt.